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Er ist an Schulen, in Vereinen, in Kliniken und für Verbände unterwegs, doch einen solchen Empfang hatte man ihm bisher noch nie bereitet: Als Holger Nikelis am Donnerstagabend mit seinem Rollstuhl in die Sporthalle von Grün-Weiß Mühlen fuhr, standen fast 40 Kinder „Holger, Holger“ rufend im Eingang Spalier und klatschten lautstark Beifall. „Das war schon beeindruckend“, sagt der 33-Jährige.
Aus Köln war der Paralympicssieger von 2004 ins niedersächsische Reiterdorf Mühlen gekommen, um den Kindern und Jugendlichen der Tischtennisabteilung aus seinem Leben als Rollstuhl-Tischtennisspieler zu berichten. Um Fragen zu beantworten. Und um zu zeigen, wie er aus dem Rollstuhl heraus die schnellste Rückschlagsportart der Welt spielt.
Neben den zahlreichen Kindern waren auch knapp 15 erwachsene Sportinteressierte und Medienvertreter anwesend. Und nach einer kurzen Begrüßung legte Holger Nikelis auch schon los. Wie er zum Tischtennis kam, warum er an den Rollstuhl gebunden ist und welche Erfolge im Behindertensport er schon gefeiert habe – all das erzählte der amtierende Weltmeister und Weltranglistenerste dem aufmerksam lauschenden Publikum.
Zahlreiche Fragen der Kinder
Doch schon nach kurzer Zeit gingen die Finger hoch und die Kinder stellten ihre ersten Fragen. Wie er im Spiel an hohe oder kurze Bälle herankommt, fragte etwa Lauritz Willenborg (10). Oskar Beier (8) wollte wissen, wie er sich am Tisch im Rollstuhl bewegt. Und Annemarie Meyer (12) stellte die Frage, ob er schon einmal mit seinem Rolli beim Tischtennis umgefallen sei.
„Die Kinder waren sehr interessiert und wissbegierig. Genau das ist es, was ich mit diesen Besuchen bewirken möchte. Interesse zu entwickeln und für Verständnis zu werben“, sagt Nikelis, der derlei Auftritte in der Zukunft deutlich verstärken will. „Gerade mit Kindern zu sprechen und ihnen zu zeigen, was alles geht, wenn man im Rollstuhl sitzt ist enorm wichtig, um das Thema Inklusion weiter voranzutreiben.“
Nach der Fragerunde demonstrierte Holger Nikelis den Mühlenern, wie er sich den Tischtennisschläger mit einer Bandage um das Handgelenk wickelt – und erntete gerade bei den jüngsten Kindern erstaunte Blicke. „Kann man damit denn überhaupt spielen?“, fragte eines. Dass er kann, das bewies er dann beim sich anschließenden Spiel am Tischtennistisch.
Dabei zeigte Nikelis ein paar seiner Paradeschläge: Bälle, die er an der Seitenlinie hinaus spielt etwa. Oder wie er mit einem kleinen Effet-Trick beim Aufschlag seinen Kontrahenten verunsichern kann. Dann bat er die Kinder zum großen Rundlauf. Thomas Bünnemeyer (12) stellte sich als Sieger heraus und durfte am Ende einen Satz gegen den mehrfachen Deutschen und Europameister spielen.
Ins Schwitzen gekommen
Wie es ist, wenn man im Sitzen Tischtennis spielt, das durfte dann auch einer der Herrenspieler des Vereins, Frank Kühling erfahren. Er setzte sich auf einen Stuhl und spielte ein paar Punkte gegen Nikelis. Dabei kam er ganz schön ins Schwitzen. „Das war eine sehr interessante Erfahrung“, sagte der Bezirksklassenspieler von GW Mühlen.
Auch viele der Kinder probierten das Tischtennis spielen im Sitzen aus. Und machten damit eine außergewöhnliche Sporterfahrung. „Das ist ganz schön schwierig. Jetzt weiß man erst, wie gut Holger Nikelis eigentlich spielt“, sagte Robert Kröger (12).
Zum Abschluss des knapp eineinhalb stündigen Besuches gab es für die Kinder noch eine kleine Überraschung. Mit Unterstützung seines Ausrüsters Butterfly hatte Nikelis kleine Butterfly-Stoffschuhe mitgebracht, die als Balltasche dienen, sowie Poster von Deutschlands erfolgreichstem Tischtennisspieler bei den Fußgängern, Timo Boll. Autogramme von Nikelis – auf Schläger, Poster und Karten - gab es natürlich auch.
„Das war eine ganz tolle Aktion“, hieß es dann am Ende auch unisono bei den Kindern, Erwachsenen, Eltern - und auch bei Holger Nikelis.
Der mit einem lautstarken Applaus aus der Halle wieder verabschiedet wurde.
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